NACHRUF

„Grafikdienst“ Hans Auer tot

Dr Wilfried Seywald

Schelm der Medienbranche und Meister des Kleinformats

Hans Auer als Nestroy

Hans Auer als Nestroy

Wien (pte041/31.10.2007/15:15) – Der Grafiker, Kolumnist und Autor Hans Auer ist, wie erst heute bekannt wurde, in der vergangene Woche im Alter von 52 Jahren überraschend verstorben. Auer hat sich in der Wiener Medienbranche neben seinem Info-Grafikdienst „Der Auer“ vor allem durch seine satirischen und spöttischen Kolumnen zu Politik, Wirtschaft und Medien einen Namen gemacht. Sich selbst bezeichnete er sich bescheiden einen Handarbeiter für Illustrationen.

Auer war eines der raren medialen Multitalente des Landes, das seine große literarische Sprachbegabung allzu oft nur in Miniformaten verarbeitete. Er begann seine Karriere Anfang der 80er Jahre mit der Gründung des Fachmagazins ExtraDienst, das er 1984 in die Hände von Christian W. Mucha übergab.

In den folgenden Jahren war Auer (bis zu seinem Ausscheiden auf eigenen Wunsch) als Hausgrafiker beim Mucha Verlag tätig. Seinen Rückzug erklärte er mit den Worten: „Ich verdiene hier soviel Geld, dass ich mir die Steuer nicht mehr leisten kann.“ Später machte er sich mit seinem Grafikdienst selbstständig, der vor allem Infografiken und Schaubilder produzierte, aber auch Publikationen und Webseiten.

Die Infografik in Österreich war eine Erfindung von Hans Auer, später kopierten ihn die klassischen Medien. „Alles ist möglich, bis morgen früh“ war Auers Leitspruch und auch Anspruch, denn der gebürtige Steirer aus Thörl war einer der ersten der Branche, für den Dienstleistung im 24/7 Rhythmus eine Selbstverständlichkeit war: „Wie mir mein Kunde befiehlt.“

Auer sorgte aber auch medienpolitisch für Aufsehen. Anfang des Jahres 2000 entwickelte der ehrgeizige Medieninnovator im Alleingang die erste Wiener U-Bahnzeitung „WuZ“, die sich ausschließlich aus Anzeigen finanzieren sollte. Doch die Blockade des Rathauses und ausbleibende Investoren bescherten ihm bald ein Finanzloch, aus dem das zuvor gut gehende Unternehmen nur mühsam herausfand.

Zwei Jahre später, 2002, startete Auer ein weiteres Medienexperiment, eine Gratis-Illustrierte für den 1. Bezirk. Publicity, so der Titel des Magazins, war ein Vorläufer des Seitenblicke-Magazins, hielt sich aber ebenso nur für wenige Nummern. Wie schon zuvor bei der WuZ hoffte Auer auch hier mit besonders günstigen Anzeigenpreisen zu punkten. Um das Blatt und die Kalkulation sauber zu halten, brachte Auer auf der Anzeigenpreisliste den dezenten Hinweis an: „Keine Pornografie, keine Rabatte“.

2004 mischte der umtriebige Satiriker und leidenschaftliche Marxist auch in der Homepage-Affäre von Ex-Finanzminister Karl Heinz Grasser mit. „Ein unverschämt billiges Angebot“ war die Antwort Auers auf die Enthüllungen rund um die Millionen teure KHG-Homepage im ORF Report. Ganz im Stil der Website des Ministers bot Auer die Möglichkeit an, sich eine private Homepage gestalten zu lassen – bereits ab 5.000 Euro zzgl. gesetzlicher Mehrwertsteuer (die leider auch zu bezahlen sei).

Wie überraschend der Tod kam, dem Vernehmen nach verschied Hans Auer an plötzlichem Herzschlag, ist an den letzten Einträgen auf seiner Webseite http://www.auer.at absehbar. Am 19. Oktober: „UHUDLA, die letzte Bastion der Weltrevolution. Bei uns werden zur Zeit im 3-Tage-Rythmus Zeitschriften fertig. Der Beitrag der Redaktion, die am liebsten der „Expropriation der Expropriateure“ fröhnen möchte.“ 21. Oktober: „Wir Zeitungszaren“. 24. Oktober: „Erleichtert Internet mein Leben?“ Seine letzte Kolumne im A3Boom datiert vom 16. Oktober. Der Titel: „Licht und Schatten.“ http://prnet.at/blogs/glossen/

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(Ende)

 
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