Der Weg ist das Ziel

Firmengeschichte von Hans Auer, im Oktober 2007

Einige Beispiele „glücklichen Scheiterns“ in 28 Jahren Selbständigkeit

Hans Auer

• Erfinder und zwei Jahre Herausgeber des „Extradienstes“. In einem nicht finanzierbaren UWG-Prozeß mit den Gebrüdern Fellner (Streitwert: zwei Jahresumsätze) bot mir Christian W. Mucha am Telefon eine Partnerschaft an, die mein Problem lösen sollte. Der Streitfall wurde österreichisch gelöst, und nach dem Vergleich erschien der neue „Extradienst“ drei Mal so dick und vierfarbig. Der neue Herausgeber verkaufte für die erste Ausgabe nach dem Relaunch mehr Anzeigen als ich in einem halben Jahr. Nach einem Jahr im neuen Verlag wurde ich wieder Grafiker.

• Danach erfand ich das als Jahrbuch konzipierte Magazin „Schlank werden und bleiben“. Mit 18.000 verkauften von 50.000 gedruckten Heften und meinen mangelnden Fähigkeiten als Anzeigenverkäufer wies ich in der Bilanz einen Gewinn von ATS 604,— aus.

• Mit dem „Grafikdienst“ (Infografiken zum honorarfreien Abdruck) wurde ich vorübergehend Marktführer, allerdings nur mangels Mitbewerber.

• Mit dem CDA (Creatives Digital Archiv, Verwaltung von digitalen Anzeigen international tätiger Unternehmen mit Lokalisierung, Formatanpassung und ISDN-Versand an Medien) bin ich der pisgünstigste und verlässlichste Anbieter. Dies bringt mir keine zusätzlichen Kunden, wird aber gerne zum „pisdrücken“ bei den Agenturen eingesetzt.

• Da ich zur seltenen Spezies unter den Grafikern zähle, die auch zeichnen können, werden bei mir Karikaturen geordert. Aber der pis ist seit 30 Jahren der selbe: € 108,–.

• Im Jahr 2000 verkleidete ich mich mit einem Anzug und bereiste halb Europa mit einem Businessplan für eine kostenlose Tageszeitung in Wien. Die Einzige, die mich ernst nahm, war die Mediaprint mit der „Abwehrgründung“ U-Expss. Dieses Abenteuer kostete nur eine Mille (Gott sei Dank in ATS).

• Im Mai des Jahres 2002 habe ich die Lokalzeitung neu erfunden und verlegte ein kostenloses Hochglanzmagazin, das an alle Haushalte und Unternehmen im ersten Bezirk in Wien verteilt wurde. Mit dem 4c-Seitenpis von € 500,– erwirtschaftete ich die Kosten für den Druck. Leider haben die „Nebenkosten“ € 25.000,– verschlungen, und das Startkapital war futsch.

• Mitte 2003 Neustart (ohne dass die KundInnen irgend etwas bemerkt haben), nachdem mir meine damalige Hausbank ohne Vorwarnung alle Kredite über Nacht fällig gestellt hat.

• 2004: Meine neue USP ist die „Ordination gegen Voranmeldung von 0 bis 24 Uhr“.

• 2005: Im April sind alle alten Schulden beglichen. Die neue Bank bekommt ein „Überziehungsverbot“. Ich brauche keine Kredite mehr. Ich nutze ein völlig überzogenes Geschenk des Finanzministers: Halber Steuersatz für nicht entnommenen Gewinn.

• 2006: Oh, die Verlustabschreibung ist aufgebraucht, ich habe eine saftige Steuernachzahlung – und das Geld dafür habe ich auch.

• 2007: Das Umsatzwachstum von 4,9 Prozent im ersten Halbjahr wird noch vor dem Sommer in neues „Werkzeug“ investiert.

Leave a Reply